Nach den Festen

Die Party ist vorbei. Es ist spät geworden. Die letzten Gäste verabschieden sich. Sie als Gastgeberin oder Gastgeber schauen in das Zimmer. Auf dem Sideboard stehen die Geschenke, die die Gäste mitgebracht haben. In der Küche stapelt sich das schmutzige Geschirr. Sie pusten die Kerzen aus und öffnen die Fenster. Die kühle Nachtluft strömt herein. … Weiterlesen Nach den Festen

Geist und Technik [zum Pfingstfest]

Ich möchte Ihnen zu Beginn den Anfang des Pfingstberichts in einer etwas anderen Version vorlegen: „Und als der fünfzigste Tag kam, versammelten sich die Brüder an einem Ort. Und plötzlich kam ein Brausen vom Himmel, als ob ein starker Wind wehe, und erfüllte das Haus, in dem sie saßen. Da erschienen ihnen die Zungen wie … Weiterlesen Geist und Technik [zum Pfingstfest]

Nacht der Bedrängnis [zum Gründonnerstag]

Wer in den Gründonnerstag eintaucht, setzt sich den Tiefen der Zeit aus. Er gelangt in eine Zeichenwelt voller Archaik und Unverständlichkeit. Es wäre falsch, in diesem Geschehen, das hier in der Liturgie wieder auflebt, nicht mehr zu sehen, als ein Abschiedsessen unter Freunden. Der Abendmahlssaal ist umgeben von bleierner Nacht, die das Grauen ausbrütet, das … Weiterlesen Nacht der Bedrängnis [zum Gründonnerstag]

Die Karwoche in Zeiten des Kriegs

Um die Fassade eines unserer Einkaufszentren in Schwerin hat sich ein lila-grünes Band gelegt. Die pastellfarbene Dekoration verweist auf das bevorstehende Osterfest und richtet den dringenden Apell an die Kunden, nun noch schnell etwas für ihre Liebsten zum Fest zu kaufen. In den Supermärkten stehen in den sonst schon engen Gängen riesige Aufsteller mit Schokolade … Weiterlesen Die Karwoche in Zeiten des Kriegs

Die alte Heimat

Wenn ich bei unseren älteren Gemeindemitgliedern nach ihrer Herkunft frage, zählen sie Ortsnamen aus einer vergangenen Zeit auf. Ich höre von Hindenburg, Schneidemühl, Beuthen, Reichenberg oder Neumark. Die Orte gibt es noch, die Namen nicht mehr. Viele unserer katholischen Familien hier in der Diaspora kommen ursprünglich aus Schlesien, dem Sudetenland, aus Danzig, Pommern oder Ostpreußen. … Weiterlesen Die alte Heimat

Das Bäumchen [Reimpredigt]

Ein Lebenslauf hat viele Seiten, besteht aus Episoden, Zeiten, in denen etwas anfängt, wendet, oder ein alter Abschnitt endet: Ein Schulabschluss, den man bestand, die Goldhochzeit, der Ruhestand, das neue Haus, das man gebaut, das junge Paar, dass sich getraut, die Uni, die man nun verlässt und Opas rundes Wiegenfest – das gibt Anlass, zu … Weiterlesen Das Bäumchen [Reimpredigt]

Auf See – im Hafen [zum Gemeindejubiläum von St. Marien, Röbel]

„Vor Gericht und auf hoher See ist man ist Gottes Hand“. Das ist ein altes Sprichwort. Es war schon bei den Römern bekannt. Mit dem Sprichwort sollte ausgedrückt werden, dass es Situationen gibt, bei denen ich den Ausgang nur sehr begrenzt selbst beeinflussen kann. Jede Seefahrt birgt das Risiko, unvorhergesehen in Not zu geraten. Bei … Weiterlesen Auf See – im Hafen [zum Gemeindejubiläum von St. Marien, Röbel]

Der Weltenbaum [zum Pfingstfest]

Die Turk-Völker Zentralasiens erzählen sich die folgende Sage: In der Mitte der Welt stand ein gewaltiger Baum, Bajterek. Seine Wurzeln reichten in die Unterwelt, sein Stamm durchmaß die Welt der Menschen und seine Krone spannte sich in den Himmel und berührte die Wohnstatt der Götter. In der Krone des Baums lebte ein gewaltiger Vogel, der … Weiterlesen Der Weltenbaum [zum Pfingstfest]

Der richtige Platz [zum Karfreitag]

In der Fastenzeit haben wir in unserer Pfarrei einen besonderen Kreuzweg gebetet. In die Betrachtung des Leidensweges haben wir das Gebet für die Betroffenen der weltweiten Corona-Krise hineingenommen. Dabei wurde mir deutlich, wie viele Menschen in den unterschiedlichsten Situationen betroffen sind, angefangen von den Kranken und Sterbenden, über die Pflegekräfte und Familien bis hin zu … Weiterlesen Der richtige Platz [zum Karfreitag]

Waffen des Lichts [Geistlicher Impuls zum 1. Adventssonntag]

Krieg ist in sich etwas Schlechtes. Die alttestamentliche Lesung am ersten Adventssonntag erinnert daran, wenn es in ihr heißt, dass im Reich Gottes die „Schwerter zu Pflugscharen“ geschmiedet werden (Jes 2,4). Umso mehr mag es erstaunen, dass kurz darauf, in der zweiten Lesung die Kriegsmetapher wieder aufgegriffen wird, diesmal in einem positiven Sinn: Brüder! Bedenkt … Weiterlesen Waffen des Lichts [Geistlicher Impuls zum 1. Adventssonntag]

Desiderate [Ansprache zum Volkstrauertag]

Was ist die Trauer eigentlich? Die Bezeichnung des heutigen Tages legt nahe, dass ein ganzes Volk trauern soll. Denken Sie an die persönliche Trauer, die Sie schon einmal empfunden haben. Sie ist eine Leere, ein Schauen in das Dunkel, in dem nichts zu finden ist; sie ist die Frage auf die ich keine Antwort bekomme; … Weiterlesen Desiderate [Ansprache zum Volkstrauertag]

Wie kann man Moral begründen? -Teil 3

In den vorherigen Überlegungen hatte sich gezeigt, dass alle moralischen Begründungssysteme ihre Stärken und ihre Schwächen haben. Es ist davon auszugehen, dass es keine moralische Letztbegründung gibt, die unbestreitbar ist. Insofern kann es nur darum gehen, einen Weg aufzuzeigen, der für möglichst viele beschreitbar ist, so dass die Zahl der Gegner, die es in extremen … Weiterlesen Wie kann man Moral begründen? -Teil 3