Das ständige Risiko

Amerikaner sprechen den Deutschen eine Eigenschaft zu, über die sich gerne wundern. Sie sagen es gebe etwas, das sie „German Angst“ nennen. Während Amerikaner eher grundoptimistisch sind, also in allen Entwicklungen eher die Chancen sehen, sind Deutsche eher grundpessimistisch und schauen eher auf die Risiken. Das sind natürlich Vorurteile, aber wie bei allen Vorurteilen sind … Weiterlesen Das ständige Risiko

Dem Andenken eines Engels

Die Wundererzählungen der Evangelien gehen immer gut aus. Im Wissen darum hören wir sie meistens schon unter dem positiven Vorzeichen: „Es wird schon nicht so schlimm kommen“. Dabei schildert gerade das heutige Evangelium (5,21-24;35b-43) eine bewegte Szene voller Dramatik. Ein Mädchen liegt im Sterben. In seiner Verzweiflung und erfüllt von der drängenden Notwendigkeit, jetzt schnell … Weiterlesen Dem Andenken eines Engels

Vorläufer [zum Johannestag und Domjubiläum]

Letzte Woche auf der Goethestraße in Bad Doberan: Zwischen das Motorenbrummen der vorbeifahrenden Autos, die gerade die gründerzeitlichen Villen am Straßenrand passieren mischt sich ein verdächtiges Fauchen und Schnaufen. Ein kurzes Klingeln bringt die Autos zum Stillstand. Mit einigem Getöse schiebt sich ein Schienenzug um die Kurve. Vor den sechs kleinen Fahrgastwaggons hängt die kleine … Weiterlesen Vorläufer [zum Johannestag und Domjubiläum]

Auf See – im Hafen [zum Gemeindejubiläum von St. Marien, Röbel]

„Vor Gericht und auf hoher See ist man ist Gottes Hand“. Das ist ein altes Sprichwort. Es war schon bei den Römern bekannt. Mit dem Sprichwort sollte ausgedrückt werden, dass es Situationen gibt, bei denen ich den Ausgang nur sehr begrenzt selbst beeinflussen kann. Jede Seefahrt birgt das Risiko, unvorhergesehen in Not zu geraten. Bei … Weiterlesen Auf See – im Hafen [zum Gemeindejubiläum von St. Marien, Röbel]

Am toten Punkt

Was bedeutet es für die Kirche, am "Toten Punkt" zu sein? Kardinal Marx hat diese Formulierung in der letzten Woche verwendet, als er seinen Rücktritt verkündete. Der folgende Text ist eine Predigt zum Besinnungstag für Priester und Pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und versucht, diesem Gedanken nachzugehen: Als Kardinal Marx in der letzten Woche seinen Rücktritt … Weiterlesen Am toten Punkt

Biografien lesen und schreiben

„Gott – eine Biografie”. Das war der Titel eines Bestsellers von Jack Miles, einem amerikanischen Jesuiten. Jack Miles versuchte, das Alte Testament als eine Art Roman zu lesen und die Hauptfigur, eben Gott, zu charakterisieren. Wie ist Gott wirklich? Diese Frage scheint das Buch zu beantworten. Ein begeisterter Leser fasst in seiner Amazon-Kritik zusammen: „Zu … Weiterlesen Biografien lesen und schreiben

Der Weltenbaum [zum Pfingstfest]

Die Turk-Völker Zentralasiens erzählen sich die folgende Sage: In der Mitte der Welt stand ein gewaltiger Baum, Bajterek. Seine Wurzeln reichten in die Unterwelt, sein Stamm durchmaß die Welt der Menschen und seine Krone spannte sich in den Himmel und berührte die Wohnstatt der Götter. In der Krone des Baums lebte ein gewaltiger Vogel, der … Weiterlesen Der Weltenbaum [zum Pfingstfest]

Der weite Raum der Gottesbeziehung

Zu den Unterstützungsmaßnahmen, die den Pfarrern in unserem Bistum an die Hand gegeben werden, gehört ein Leitungscoaching. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen können wir uns mit einem Begleiter treffen, der uns in unseren Aufgaben helfen soll. Dies gilt besonders bei der Lösung von Konflikten. Ich erinnere mich an eine solche Situation vor etwa zwei … Weiterlesen Der weite Raum der Gottesbeziehung

Ist das auch echt?

2013 machten wir mit dem Hamburger Priesterrat eine Fahrt nach Danzig. Es war eine Studienfahrt, auf der wir mit verschiedenen kirchlichen Einrichtungen und Vertretern zusammenkamen. Daneben besichtigten wir natürlich auch die schöne Stadt. „Wenn ich schon einmal in Danzig bin“, dachte ich mir, „dann möchte ich auch ein paar Geschenke mitbringen.“ Danzig gilt als die … Weiterlesen Ist das auch echt?

Im Felsen [zum Osterfest]

In der Nähe waren Höhlen. Die kleine Reisegesellschaft, zu der ein junger Dichter gehörte, machte Rast in einem Dorf. Dort traf sie auf mehrere Bergmänner. Einer von ihnen, reich an Erfahrung und Alter bot sich ihnen an, die Höhlen zu zeigen. Man willigte fröhlich ein, teils aus Neugier, teils aus Interesse, mehr über das Leben … Weiterlesen Im Felsen [zum Osterfest]

Reinigung und Auftrag [zum Gründonnerstag]

In diesem Jahr fehlt ein Element der Gründonnerstagsfeier. Die Fußwaschung fällt aus. Die Distanzlosigkeit dieses Ritus erzwingt den Ausfall. Es ist ein Kennzeichen des letzten Jahres, dass ausgerechnet die Gesten des täglichen Lebens entfallen, die die Distanz zwischen Menschen überwinden können: Der Händedruck, die Umarmung, der Kuss. Zuneigung kann auch mit Worten bekundet werden. Aber … Weiterlesen Reinigung und Auftrag [zum Gründonnerstag]

In der Stadt [zum Palmsonntag]

1925 wartete die Literaturwelt mit einer kleinen Sensation auf. Der amerikanische Schriftsteller John Dos Passos, Sohn portugiesischer Einwanderer, veröffentlichte den Roman „Manhattan Transfer“. Das Buch brach mit gängigen Traditionen. Es erzählte nicht mehr eine Geschichte, sondern viele, die nebeneinander herlaufen. Statt einer Hauptfigur gab es verschiedenste Figuren, die den Roman bevölkern. Dos Passos erzählt gleichzeitig … Weiterlesen In der Stadt [zum Palmsonntag]

Missbrauch, Schuld und Aufarbeitung

Am vergangenen Donnerstag hat unser Erzbischof Stefan Heße Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten. Er reagiert damit auf die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zu Fragen des Missbrauchs im Erzbistum Köln. Das Gutachten hatte dem Erzbischof in seiner vorherigen Funktion als Personalchef und Generalvikar in Köln Verfahrensfehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen nachgewiesen. Ich denke, es ist im Umgang … Weiterlesen Missbrauch, Schuld und Aufarbeitung