Paragrafen reiten [Reimpredigt]

Ja, zu den modernen Zeiten

lebt man gut, in uns’ren Breiten.

Vieles ist doch viel bequemer

und zuweilen angenehmer

als es früher einmal war.

Das ist, denk ich, allen klar.

Denn was einstmals kompliziert,

das ist heute optimiert.

So muss ich, um einzukaufen

nicht mehr durch die Straßen laufen.

Statt in die Stadt mich zu begeben

Brauch’ ich nicht mal mich erheben

von dem Sofa, aus dem Bett:

Ich geh schnell ins Internet.

Dort find ich in Windeseile

alle die gewünschten Teile

und dank hoher Werbequote

auch noch 100 Angebote.

Was ich will, kauf ich geschickt,

einfach nur mit einem Klick.

Schnell auf „Warenkorb“ gedrückt,

komm ich weiter noch ein Stück,

muss dem Händler nur noch eben

alle meine Daten geben.

Hab’ ich diese ausgefüllt,

werd’ ich mit Werbung zugemüllt.

Dann bleibt noch zu tun ein Restchen,

es erscheint ein kleines Kästchen:

„Stimmen bitte Sie im Nu

den Geschäftsbedingungen zu!“

Wenn ich darauf klicken mag,

schließe ich einen Vertrag.

Dessen Text hat viele Seiten,

die mir rechtlich unterbreiten

welche Pflichten und Gesetze

ich eventuell verletze.

Im Fall des Falls wär’s gut gewesen

hätt’ ich alles das gelesen:

Haftungsausschuss, Lieferzeiten,

Ort bei Gerichtstreitigkeiten,

Datenschutz, Rückgaberecht:

aus Gesetzen ein Geflecht

und aus Normen und Geboten,

Paragrafen und Fußnoten.

Was ein simpler Kauf mit Geld

da im Hintergrund enthält!

Doch gewöhnlich möchte ich schlicht

rasch erfüllen meine Pflicht.

Weiß, den schnellen Kauf zu schätzen

Und wird’ prompt mein Häkchen setzen.

Ja so geht’s, ich stimm in Ruh

der Geschäftsbedingung zu.

Ich les’ das alles nicht, ganz ehrlich.

Stattdessen mach ich dann natürlich

gleich mein Häkchen in den Kasten

ohne mich noch zu befassen

mit allem was dahinter liegt

und ob mich da wer betrügt.

Es gilt für Männer und für Frauen:

Wir alle kaufen auf Vertrauen.

Wir glauben halt, dass, wie es scheint,

es der Verkäufer ehrlich meint.

Ist dies Vertrauen mal gegeben

lässt’s sich um Vieles leichter leben.

Ich brauche doch die Paragrafen

erst bei Konflikten, Streit und Strafen.

Doch selbst im diesen Fall gibt’s nie

für alles eine Garantie.

Ich möchte noch ein Beispiel wählen

und aus der Arbeitswelt erzählen.

Dort ist geregelt, uns zum Nutz

die Arbeitszeit, der Arbeitsschutz.

Geschrieben steht, man kann es lesen,

Compliance und Beschwerdewesen.

Verträge regeln Pflicht und Recht.

Das ist auch sicher gar nicht schlecht.

Doch mehr als „Ziffer“ und „ff“

zählt ein verständnisvoller Chef,

ein gutes Klima, dessentwegen

hilfsbereit sind die Kollegen.

Bei genauerem Beschauen

da ist eben das Vertrauen

ganz konträr dem Protokolle

besser doch als die Kontrolle.

All dies führt uns drumherum

um das Evangelium.

Pharisäer diskutieren

Was da steht in den Papieren

Wie erfüllt oder verletze

Man die die jüdischen Gesetze.

Was ist gut und was erlaubt?

Welche Auslegung verstaubt,

welche aktuell und richtig?

Diese Fragen, die sind wichtig.

Pharisäer, die sind leider

machmal Paragrafenreiter

Ihr Geschäft, das sie betreiben,

ist, umfänglich zu beschreiben,

wie man Gottes Willen achtet

und die Tora recht betrachtet.

Denn der Text ist allerorten

komponiert aus Gottes Worten.

Wer den Buchstaben versteht

unter Gottes Segen geht.

Kleingedrucktes gut zu kennen

heißt, „gesetzestreu“ sich nennen.

Im Gespräch Jesus sodann

fragt die Gesetzestreue an.

Ist das Paragraphenlehren

wirklich nötig, Gott zu ehren?

Nehm ich die Worte einfach hin,

oder frag ich nach dem Sinn

dieser Vorschriften und Pflichten

und versuch, sie zu verrichten

mit Augenmaß und Menschlichkeit

nicht stur, sondern zur rechten Zeit?

Ist denn Gott ein Gott der Strafen,

ist Gott ein Gott der Paragrafen?

Sind nicht des Gesetztes Schriften

Geschrieben, um uns aufzurichten?

Ist nicht viel eher zu vermuten,

dass sie uns führen auch zum Guten

ohne, dass ich mich verrenne,

wenn ich nicht jedes Jota kenne?

Denn das Gesetz, es hat Bestand,

ja sicher, doch liegt auf der Hand,

dass es gemacht um Gott zu lieben:

Es steht in unserm Herz geschrieben.

Wer Gott dort findet, der wird schon

ihm folgen aus Intuition,

aus Überzeugung und aus Freude.

Hoffnung und Liebe (alle beide),

sie führen uns den sichern Pfad

in Gottes Nähe, in die Gnad.

„Und dieser Pfad“, so Jesus spricht,

„dieser Weg, ja, das bin ich.“

Die Pharisäer, ja, sie sehen,

in ihm die Tora vor sich stehen.

Sie werden lang noch diskutieren,

ob sie das für sich akzeptieren.

So kann man sich zu allen Zeiten

Gar trefflich lang um Worte streiten.

Doch Worte können nicht beschreiben,

was in uns für Gefühle bleiben.

Sie können lange nicht ersetzen

was wir dann tun, sie umzusetzen.

Das Wort im Buch hat enge Schranken,

es zählen vielmehr die Gedanken,

die Taten, Tugenden die eben,

die Worte in das Leben heben.

So frage nicht: Hast Du’s gewusst?

Frag vielmehr: Wie hast du’s genutzt?

Die Worte sind wie ein Rezept

Geschrieben sind sie ganz perfekt.

Doch sicher darf man nicht vergessen:

Das Rezept ist nicht das Essen.

Das Rezept, was nützt es doch,

wird es von niemandem gekocht?

Erst wer die Mahlzeit hat gegessen,

der kann für sich dann recht ermessen,

wie gut es schmeckt. Er will beizeiten

dass Essen selbst für sich bereiten.

Erst dann wird er in diesen Tagen

nach dem Rezept wohl für sich fragen.

So ist es wohl bei Jesus ähnlich:

Wer Gott erfährt, erst der wird nämlich,

allmählich nach der Quelle suchen

und Gottes Wort im Text, im Buche,

ganz schrittweis für sich selbst erschließen

und langsam mit dem Quellfluss fließen

der dort im Herzen wohl beginnt,

bei Jesus seinen Ausgang nimmt.

Leute gibt’s zu allen Zeiten,

die gerne Paragrafen reiten.

Doch kann von anderen ich sagen,

dass diese erst ihr Herz befragen

und nach Glauben und Gewissen

sich auf gutem Wege wissen.

Der Text ist gut, doch besser schon

das Wort, das sich zeigt als Person.

Jesus verheißt uns sein Erbarmen

Er ist’s der uns führ’n will. Amen

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