Das neue Jahr kündigt für uns gleich Veränderungen an. In der Zeitung stand es bereits. Die katholische Kirche in Schwerin wird sich verändern. Das Erzbistum Hamburg hat beschlossen, den Standort Lankow aufzugeben und damit auch die Kirche St. Martin. Das ist, wenn man es historisch betrachtet, ein wichtiger Ort. Dieses Gebäude hat schließlich eine besondere Geschichte. Sie führt uns zurück in die 70er Jahre. Nach dem Bau der Mauer folgte für die Kirche eine schwierige Zeit. Die DDR-Regierung erschwerte den Kirchen, ihren Auftrag wahrzunehmen. Mecklenburg, das zum Bistum Osnabrück gehörte, war für den dortigen Bischof nur noch schwer zu erreichen. Man hatte daher einen Weihbischof in Schwerin eingesetzt, Bernhard Schräder, den vormaligen Propst von St. Anna, um die sakramentale Gemeinschaft sicherzustellen, so dass Firmungen, Kirchweihen oder Priesterweihen weiter regelmäßig durchgeführt werden konnten.
Schräders Nachfolger, Heinrich Theissing, der 1970 eingesetzt wurde, erhielt nun weitere Vollmachten. Er trug den Titel „Bischöflicher Kommissar“. Mecklenburg wurde quasi wie ein eigenes kleines Bistum geführt. Theissing gab der Katholischen Kirche in Mecklenburg eine neue Struktur und baute eine eigenständige Verwaltung auf. Dazu gehörte auch der als „Haus der Kirche“ geplante Neubau auf dem Gelände des Bischofshauses in der Lankower Straße. Bei der Grundsteinlegung äußerte der Bischof den Wunsch, dass an diesem Ort „die Menschen noch vieler Generationen das finden, was ihr Herz sucht: das Leben in der Fülle, der Freiheit, der Zukunft der Kinder Gottes“. Das Bürogebäude in Lankow wurde zum Zentrum für die Organisation und Verwaltung der Mecklenburger Gemeinden und der Caritas. Gut 20 Jahre erfüllte es während der organisatorisch relativ eigenständigen Phase der Mecklenburger Katholiken diese Funktion und diente weitere 30 Jahre im Erzbistum Hamburg als Zweigstelle der kirchlichen Verwaltung der Hamburger Erzbischöfe. Zwischenzeitlich wurde aus St. Martin eine eigene Pfarrei und erlebte Ende der 70er und in den 80er Jahren als Gemeinde eine kurze Blüte. So entstand rund um das bischöfliche Haus ein kleines aber intensives kirchliches Leben für die Menschen im Stadtteil und den umliegenden Dörfern.
Die Lesungen des heutigen Sonntags beleuchten die Bedeutung und den Auftrag Jesu als des verheißenen Messias. Als solcher, als „Geistträger“ wird ihm vom Propheten Jesaja prophezeit, dass er das „Heil bis an die Enden der Erde“ tragen soll (Jes 49,6). Diese Enden der Erde müssen dabei nicht unbedingt räumlich weit entfernt liegen. Die Enden der Erde können schlicht dort sein, wo der christliche Glaube wenig bekannt oder verbreitet ist. So ist Mecklenburg, obwohl mitten in Europa mit einem Christenanteil von nur rund 15% so etwas wie eines dieser „Enden“. Der Auftrag der Kirche besteht zu allen Zeiten darin, die Gegenwart Jesu überall zu verkünden und in den heiligen Zeichen zu feiern. Mitten in diese Situation neue Kirchen zu bauen war damals, vor 50 Jahren sicher ein Zeichen des Selbstbewusstseins und der Stärke. Dass wir diese mutigen Zeichen des damaligen Aufbruchs und auch der Glaubensstärke heute abbauen ist ein Zeichen der Schwäche. Diese Schwäche zeigt sich in Zahlen, das sicherlich. Sie zeigt sich aber auch als eine Glaubensschwäche, vielleicht auch eine Unsicherheit der eigenen Sendung gegenüber. Wie wollen wir denn den Auftrag der Verkündigung in der Zukunft erfüllen und für wen? Wie werden wir die künftigen Generationen erreichen? Es ist wahrscheinlich so, dass wir dafür weniger Orte brauchen als vielmehr Personen und auch Ideen, Die Lebendigkeit des Glaubens lässt sich schließlich nicht an der Anzahl von Gebäuden messen (es gibt in unserem Bundesland allein über 1000 alte Dorfkirchen). Sie misst sich an lebendigen Gemeinschaften, die sich im christlichen Glauben verbunden wissen.
St. Martin ist ein Sammlungsort für eine solche Gemeinschaft. Es wird auch wieder neue Sammlungsorte geben. Die Frage ist für mich aber: Mit welchem Geist sind wir unterwegs. „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2 Tim 1,7). So sagt es Paulus in einem seiner Briefe. Wie kann sich ein solcher Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit heute äußern? Wie können wir in winterlichen Zeiten neue Kraft entwickeln? Diese Fragen sind für mich zum heutigen Zeitpunkt noch schwer zu beantworten. Gerade wegen einer solchen Unsicherheit fällt mir die Trennung von vertrauten Orten und Formen zur Zeit schwer. Sie lassen sich nicht einfach durch andere Strukturen ersetzen, sondern nur durch neue Gemeinschaft. Im Evangelium deutet Johannes der Täufer auf Jesus als „Lamm Gottes“ (Joh 1,29). Hier ist der Mittelpunkt aller Sammlung zu finden. Eine neue Sammlung wird, so hat es besonders Papst Franziskus betont, nur aus dem Willen zur Evangelisierung kommen. Er hat bereits vor Beginn seines Pontifikates diesen Geist der Kraft beschworen, der eben auch eine Beweglichkeit verlangt. In einem Interview hatte er damals den Vorschlag gemacht, Kirchen, in denen keine nennenswerte Sammlung mehr stattfindet zu schließen und stattdessen Kirchen in Garagen der Vororte zu eröffnen. Vielleicht ist jetzt tatsächlich der Mut gefordert, diesen Weg zu gehen, auch wenn es schwer ist. Der Gedanke des Papstes war: Das Evangelium soll dort ankommen, wo es aufgenommen wird. Es muss an die Ränder kommen, eben an die „Enden der Erde“, die es nach wie vor unter uns gibt.
ich denke Gläubige und /oder den Glauben zu verwalten reicht einfach nicht aus. Es gab schon vor gut 800 Jahren eine Zeit, als die Kirche in einer festen Krise steckte. Damals traten Viele auf, die auf das Leben der Aposteln oder auf die wortwörtiche Einhaltung des Evangeliums abstellten. Der mächtige Papst Innocent III erkannte die Rufe dieser Menschen, die er unter das Dach der Kirche heimholen wollte. Bei Franz von Assisi ist ihm das gelungen.Dieser forderte die aktive Beachtung, Befolgung und Umsetzung des Evangeliums bei seinen Zeitgenossen ein. Er lebte die frohe Botschaft. Das vermisse ich oftmals. Es gibt auch Orte in unserm Land- auch nicht weit weg von Schwerin- da wird die frohe Botschaft ( manchmal auch mit Visionen) gelebt.
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